EMS-Training kann die Ausdauerleistung beeinflussen, aber nicht auf die gleiche Weise wie klassisches Ausdauertraining (Cardio) durch Laufen, Radfahren oder Schwimmen. Besonders deutlich verbessert sich die muskuläre Ausdauer, also die Fähigkeit der Muskulatur, über längere Zeit belastbar zu bleiben. Effekte auf die Herz-Kreislauf-Ausdauer sind möglich, aber weniger eindeutig.

Was versteht man unter Ausdauer?

Ausdauer beschreibt, wie lange dein Körper eine Belastung durchhält, ohne schnell zu ermüden.

Man kann zwei Bereiche unterscheiden:

Die allgemeine Ausdauer betrifft Herz, Atmung und Kreislauf. Sie entscheidet zum Beispiel darüber, wie lange du gehen, laufen oder Rad fahren kannst, ohne außer Atem zu kommen.

Die muskuläre Ausdauer beschreibt, wie lange deine Muskeln arbeiten können, bevor sie ermüden. Sie ist wichtig für Alltag und Bewegung, etwa beim Treppensteigen oder längeren Gehen.

Beim EMS-Training liegt der Schwerpunkt vor allem auf der muskulären Ausdauer.

Wie wirkt EMS auf die muskuläre Ausdauer?

Durch die gleichzeitige Aktivierung vieler Muskelgruppen entsteht ein intensiver Trainingsreiz. Dadurch kann die Muskulatur belastbarer werden und langsamer ermüden.

Im Alltag kann sich das dadurch zeigen, dass Gehen, Treppensteigen oder Radfahren leichter fallen. EMS wirkt hier also vor allem über die Muskulatur – nicht primär über Herz und Kreislauf.

EMS und Herz-Kreislauf-Ausdauer

Die Herz-Kreislauf-Ausdauer wird vor allem durch regelmäßige Bewegung verbessert, zum Beispiel durch Gehen, Laufen, Radfahren oder Schwimmen. Dabei lernt der Körper, Sauerstoff besser zu nutzen und Belastungen länger durchzuhalten.

EMS kann die allgemeine Ausdauer ergänzend beeinflussen. Studien zeigen zum Beispiel Effekte auf Sauerstoffaufnahme oder Laufleistung. Die Ergebnisse sind jedoch nicht einheitlich: Einige Studien zeigen deutliche Verbesserungen, andere nur geringe Veränderungen. Zusätzlich gibt es Hinweise auf positive Effekte bei Werten, die für Herz und Kreislauf wichtig sind, etwa Blutdruck oder Körperzusammensetzung.

Eine gezielte Verbesserung der klassischen Ausdauerleistung ersetzt EMS jedoch nicht.

Kombination von EMS und Ausdauertraining

EMS kann mit Bewegung kombiniert werden, zum Beispiel mit Gehen, Radfahren oder Training auf dem Crosstrainer. Dabei steht in der Praxis meist die Bewegung im Vordergrund.

Die EMS-Impulse werden in solchen Einheiten moderater eingesetzt, damit die Bewegung kontrolliert und über längere Zeit möglich bleibt. Eine intensive Muskelansteuerung wie beim klassischen Ganzkörper-EMS-Krafttraining ist dabei in der Regel nicht sinnvoll.

Wichtig ist die Unterscheidung: Der größte Nutzen von EMS liegt in der gezielten Kraft- und Muskelaktivierung. EMS-Ausdauereinheiten können diese ergänzen, aber eine klassische EMS-Krafteinheit mit Fokus auf intensiver Muskelstimulation nicht ersetzen.

Was sagt die Studienlage?

Die aktuelle Forschung zeigt ein differenziertes Bild:

  1. Verbesserungen der muskulären Ausdauer sind gut belegt
  2. Effekte auf Sauerstoffaufnahme oder Laufleistung sind möglich
  3. die Ergebnisse sind jedoch uneinheitlich und abhängig von Trainingsgestaltung und Zielgruppe

Eine Übersichtsarbeit zeigt, dass EMS bei gesunden Personen Parameter wie Sauerstoffaufnahme und Leistungsfähigkeit verbessern kann. Gleichzeitig wird betont, dass weitere Studien notwendig sind, um klare Empfehlungen abzuleiten.

Für wen ist EMS sinnvoll?

EMS kann besonders sinnvoll sein für:

  1. Menschen, die ihre Alltagsbelastbarkeit verbessern möchten
  2. Personen mit wenig Zeit
  3. ältere Erwachsene
  4. Menschen, die gelenkschonend trainieren möchten

Auch im Sport wird EMS ergänzend eingesetzt, um Kraftausdauer und Stabilität zu verbessern.

Sicherheit und Anwendung

EMS ist intensiv und sollte nicht ohne fachliche Betreuung durchgeführt werden.

Wichtig sind:

  1. Training nur unter professioneller Anleitung
  2. keine Eigenanwendung zuhause
  3. ausreichende Regeneration
  4. individuelle Anpassung der Intensität

Fazit

EMS-Training verbessert vor allem die muskuläre Ausdauer und kann die Belastbarkeit im Alltag deutlich erhöhen. Effekte auf die klassische Ausdauerleistung sind möglich, aber nicht in allen Studien eindeutig belegt.

Am sinnvollsten ist EMS als Ergänzung zu regelmäßige Bewegung. In Kombination mit Ausdauertraining kann es zusätzliche Trainingsreize setzen, ersetzt aber kein gezieltes Herz-Kreislauf-Training.

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Quellen & wissenschaftliche Grundlagen

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