Redaktionelle Einordnung
EMS-Training kann das Herz-Kreislauf-System beeinflussen – positiv wie negativ. Dieser Fachartikel ordnet den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Forschung ein und zeigt, für wen EMS-Training geeignet ist, wo Chancen liegen und wo klare medizinische Grenzen bestehen.
Der folgende Beitrag wurde von Dr. Heinz Kleinöder verfasst und basiert auf der aktuellen Studienlage sowie sportwissenschaftlichen Erkenntnissen. Er richtet sich an Endkunden, Trainer und medizinisch Interessierte, die EMS nicht als Lifestyle-Trend, sondern als ernstzunehmende, betreuungspflichtige Trainingsform verstehen.
Einordnung des Herz-Kreislauf-Systems im Training
Das Herz-Kreislauf-System besteht aus Herz und Blutgefäßen und hat die Aufgabe, Sauerstoff und Nährstoffe zu den Zellen zu transportieren und Abfallprodukte (z. B. CO2) abzutransportieren. Das Training dieses Systems stellt eine wichtige Größe zur Gesunderhaltung dar. Ausdauertraining verbessert Schlagvolumen und Sauerstoffaufnahme, sodass das Herz effizienter arbeitet. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nimmt ab, und der Blutdruck kann sinken.
Das System steht in engem Zusammenhang mit metabolischen Faktoren. Ein steigender BMI ist oft ein Indikator für Einschränkungen des Herz-Kreislauf-Systems. In diesem Zusammenhang ist das Metabolische Syndrom (MetS) zu nennen, welches durch Gesundheitsrisiken wie Bauchfett (Adipositas), Bluthochdruck (Hypertonie), erhöhte Blutzuckerwerte und Fettstoffwechselstörungen gekennzeichnet ist.
Effekte von Ganzkörper-EMS auf kardiometabolische Risikofaktoren
Untersuchungen lassen darauf schließen, dass Low-Frequency-WB-EMS positive Effekte auf kardiometabolische Risikofaktoren haben kann. Die aktuelle Interventionsstudie von Sara et al. (2025) berichtet von einem positiven Einfluss auf Biomarker für kardiovaskuläres Risiko durch Ganzkörper-EMS im Vergleich zu Training ohne EMS. Metaanalysen (Guretzki et al., 2024) liefern ebenfalls positive Effekte auf das kardiometabolische Risiko in Populationen mit moderatem bis hohem Risiko. Hinzu kommt die hohe Effizienz durch kurze Belastungszeiten.
Einfluss von EMS-Training auf Ausdauer und Leistungsparameter
Wissenschaftliche Reviews zeigen, dass sich die Ausdauer durch EMS-Training bei gesunden Personen verbessert. Dies äußert sich in einer gesteigerten Sauerstoffaufnahme, besserer Laufökonomie und höherer Leistung. Ein wesentlicher Faktor bleibt die Zeiteffizienz, wobei die Forschung weiterhin an den optimalen Belastungsnormativen arbeitet.
EMS im Leistungs- und Gesundheitssport: Aktuelle Studienlage
Amaro-Gahete et al. (2018) untersuchten Freizeitläufer und stellten fest, dass die EMS-Gruppe ihre VO2max, die Laufökonomie und die Geschwindigkeit an der aeroben Schwelle signifikant steigern konnte. Damit erwies sich WB-EMS als effektive Ergänzung zum Lauftraining.
Andere Studien, wie die von Verch et al. (2021), verglichen Nordic Walking mit und ohne EMS. Hier zeigte sich, dass EMS die Übungsintensität zwar erhöht, die klinische Relevanz hinsichtlich der absoluten Sauerstoffaufnahme jedoch noch nicht abschließend geklärt ist.
Klinische und präventive Einsatzbereiche von Ganzkörper-EMS
Studien an älteren, adipösen Frauen mit metabolischem Syndrom (Reljic, 2020) zeigten nach 12 Wochen EMS-Training eine signifikante Verbesserung des kardiometabolischen Risikowerts. EMS stellt hier eine machbare und zeiteffektive Trainingsmöglichkeit dar, um Muskelkraft und Gesundheit zu fördern.
Untersuchungen (z. B. Herzklinik Bad Oeynhausen) belegen zudem, dass Ganzkörper-EMS für Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz (CHI) geeignet ist. Die Muskulatur wird gestärkt, ohne das Herz übermäßig zu belasten. Patienten erzielten eine signifikante Steigerung der Sauerstoffaufnahme an der anaeroben Schwelle sowie eine Senkung des diastolischen Blutdrucks. Eine Pilotstudie der Mayo Clinic (2025) bestätigte ähnliche Effekte: reduziertes Taille-Hüft-Verhältnis und verbesserte Cholesterinwerte nach 16 Wochen Training.
Zusammenfassende Bewertung und Ausblick
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass EMS sowohl bei Patienten als auch im Breitensport sinnvoll für ein Training des Herz-Kreislauf-Systems eingesetzt werden kann. Die kardiometabolische Gesundheit profitiert von der Methode, wobei die Forschung künftig die bestmöglichen Belastungsnormative noch präziser absichern muss.
Fazit der Redaktion
EMS-Training stellt für gesunde Personen unter professioneller Anleitung eine kontrollierbare Belastung für das Herz-Kreislauf-System dar. Es sollte nicht als vollständiger Ersatz für klassisches Ausdauertraining verstanden werden, kann aber je nach Zielgruppe ein sinnvoller ergänzender Trainingsbaustein sein.
Eine individuelle Anamnese, fachkundige Betreuung und – insbesondere bei Vorerkrankungen – eine ärztliche Abklärung sind unverzichtbare Voraussetzungen für eine sichere Anwendung.
Quellen & wissenschaftliche Grundlagen
Amaro-Gahete FJ, De-la-O A, Sanchez-Delgado G, Robles-Gonzalez L, Jurado-Fasoli L, Ruiz J, Gutierrez A. Whole-Body Electromyostimulation Improves Performance-Related Parameters in Runners. Front Physiol. 2018 Nov 13:9:1576. doi: 10.3389/fphys.2018.01576. eCollection 2018.
Da Mota Moreira I, Krause A, Memmert D .Effects of electromyostimulation on physiological determinants of endurance-performance in healthy subjects: a systematic review. J Sports Med Phys Fitness. 2022 Dec; 62(12):1654-1661. doi: 10.23736/S0022-4707.22.13428-6. Epub 2022 Mar 25.
Guretzki E, Kohl M, von Stengel S, Uder M, Kemmler W. Effects of Whole-Body Electromyostimulation on Metabolic Syndrome in Adults at Moderate-to-High Cardiometabolic Risk-A Systematic Review and Meta-Analysis. Sensors (Basel). 2024 Oct 22; 24(21):6788. doi: 10.3390/s24216788. PMID: 39517685; PMCID: PMC11548337.
Kemmler W, Weissenfels A, Willert S, Shojaa M, von Stengel S, Filipovic A, Kleinöder H, Berger J, Fröhlich M. Efficacy and Safety of Low Frequency Whole-Body Electromyostimulation (WB-EMS) to Improve Health-Related Outcomes in Non-athletic Adults. A Systematic Review. Front Physiol. 2018 May 23; 9:573. doi: 10.3389/fphys.2018.00573. PMID: 29875684; PMCID: PMC5974506.
Kemmler, W., Froehlich, M., von Stengel, S., & Kleinöder, H. (2016). Whole-body electromyostimulation – The need for common sense! Rationale and guideline for a safe and effective training. https://doi.org/10.5960/dzsm.2016.246
Reljic D, Konturek C, Herrmann H, Neurath M, Zopf Y. Effects of whole-body electromyostimulation exercise and caloric restriction on cardiometabolic risk profile and muscle strength in obese women with the metabolic syndrome: a pilot study. J Physiol Pharmacol. 2020 Feb; 71(1). doi: 10.26402/jpp.2020.1.08. Epub 2020 Jun 13.
Sara JDS, Rajai N, Ahmad A, Breuer L, Olson T, Kemmler W, Nagai T, Schilaty N, Lerman A. Physical training augmented with whole body electronic muscle stimulation favorably impacts cardiovascular biomarkers in healthy adults – A pilot randomized controlled trial. International Journal of Cardiology. 2025;419:132706. doi: 10.1016/j.ijcard.2024.132706.
Verch R, Stoll J, Hadzic M, Quarmby A, Völler H. Whole-Body EMS Superimposed Walking and Nordic Walking on a Treadmill — Determination of Exercise Intensity to Conventional Exercise. Front Physiol. 2021 Oct 4;12:715417. doi: 10.3389/fphys.2021.715417.
