Redaktionelle Einordnung

EMS-Training und klassisches Krafttraining verfolgen ähnliche Ziele, unterscheiden sich jedoch deutlich in Trainingsreiz, Belastungssteuerung und Anwendungslogik. Dieser Fachartikel vergleicht beide Trainingsformen auf Basis der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse und ordnet ein, wo Gemeinsamkeiten bestehen, wo klare Unterschiede liegen und für welche Zielgruppen welche Methode sinnvoll sein kann.

Der folgende Beitrag basiert auf sportwissenschaftlichen Studien und richtet sich an Endkunden, Trainer und Fachinteressierte, die EMS-Training nicht als Ersatz, sondern als eigenständige, betreuungsintensive Trainingsform im Kontext klassischer Trainingsmethoden verstehen möchten.


Die Landschaft moderner Trainingsmethoden hat sich in den vergangenen Jahrzehnten erheblich ausdifferenziert. Neben dem klassischen Krafttraining haben sich hochintensive Konzepte wie High Intensity Training (HIT), funktionelle Trainingsformen wie CrossFit sowie unterschiedliche Ausprägungen des Zirkeltrainings etabliert. Ergänzt werden diese Ansätze zunehmend durch technologiegestützte Trainingsformen wie die Ganzkörper-Elektromyostimulation (WB-EMS) oder die Ganzkörpervibration (WBV). Diese Vielfalt eröffnet neue Möglichkeiten für Training, Prävention und Leistungsentwicklung, erschwert jedoch zugleich eine sachliche und fundierte Einordnung der einzelnen Methoden.

In der öffentlichen und medialen Wahrnehmung werden Trainingskonzepte häufig verkürzt dargestellt oder pauschal miteinander verglichen, ohne die zugrunde liegenden trainingswissenschaftlichen Prinzipien ausreichend zu berücksichtigen. Aussagen über Effizienz, Überlegenheit oder Zeitersparnis einzelner Methoden greifen dabei meist zu kurz, da sich Trainingsformen nicht nur in ihrer Intensität, sondern auch in Belastungssteuerung, Trainingsumfang, mechanischer Beanspruchung, Regenerationsbedarf, Betreuungsanforderungen und Zielgruppenansprache deutlich unterscheiden. Ein wissenschaftlich sinnvoller Vergleich erfordert daher klar definierte Kriterien und eine differenzierte Betrachtung.

Aus trainingswissenschaftlicher Sicht ist zudem zu berücksichtigen, dass unterschiedliche Trainingsmethoden unterschiedliche Anpassungsmechanismen adressieren. Klassische Krafttrainingsprogramme basieren primär auf willkürlicher Muskelaktivierung und progressiver mechanischer Belastung. Hochintensive Trainingsformen zielen auf maximale neuromuskuläre Reize bei reduziertem Trainingsvolumen. Funktionelle Trainingsansätze – einschließlich moderner, elektronisch gesteuerter Trainingszirkel – kombinieren Kraft-, Koordinations- und teilweise metabolische Reize und ermöglichen durch automatisierte Belastungssteuerung sowohl konzentrische als auch erhöhte exzentrische Muskelbeanspruchungen.

Technologiegestützte Trainingsformen wie WB-EMS oder WBV ergänzen diese Ansätze durch externe Reize, die die neuromuskuläre Aktivierung auf andere Weise beeinflussen als rein willkürliche Muskelarbeit. Diese grundlegenden Unterschiede haben direkte Auswirkungen auf Trainingswirksamkeit, Sicherheit, Steuerbarkeit und praktische Anwendbarkeit der jeweiligen Methoden.

Ziel dieses Artikels ist es daher, ausgewählte Kraft- und Fitnessmethoden systematisch miteinander zu vergleichen und auf Basis der aktuellen wissenschaftlichen Literatur sachlich einzuordnen. Der Fokus liegt auf klassischem Krafttraining, hochintensiven und funktionellen Trainingskonzepten – einschließlich moderner elektronischer Zirkel – sowie auf Ganzkörper-EMS und Ganzkörpervibration als technologiegestützten Alternativen. Dabei werden zentrale Vergleichskriterien wie Zeitaufwand, Belastungs- und Reizsteuerung, Gelenkbelastung, Individualisierbarkeit, Betreuungsbedarf und Zielgruppen herangezogen.

Der Beitrag versteht sich ausdrücklich nicht als Bewertung einzelner Trainingsmethoden im Sinne von „besser“ oder „schlechter“. Vielmehr soll aufgezeigt werden, unter welchen Voraussetzungen und für welche Zielgruppen die jeweiligen Trainingsformen sinnvoll eingesetzt werden können. Die Ganzkörper-Elektromyostimulation wird dabei nicht isoliert betrachtet, sondern bewusst im Kontext etablierter Trainingsansätze verortet. Für vertiefende Betrachtungen zu spezifischen Fragestellungen – etwa zu kardiometabolischen Effekten oder zum Einsatz im Spitzensport – wird auf weiterführende wissenschaftliche Beiträge verwiesen.

Zentrale Vergleichskriterien moderner Trainingsmethoden

Um unterschiedliche Trainingsmethoden sachlich vergleichen zu können, ist es notwendig, einheitliche trainingswissenschaftliche Kriterien heranzuziehen. Ein isolierter Vergleich einzelner Effekte greift zu kurz, da Trainingsformen sich nicht nur im Reiz, sondern auch in ihrer praktischen Anwendung, Steuerbarkeit und Zielgruppenansprache unterscheiden. Im Folgenden werden zentrale Kriterien dargestellt, anhand derer klassisches Krafttraining, HIT, funktionelle Trainingsformen, elektronische Trainingszirkel, Ganzkörpervibration und Ganzkörper-EMS eingeordnet werden können.

  • Zeitaufwand und Trainingsökonomie

Der zeitliche Aufwand einer Trainingsmethode lässt sich nicht allein anhand der Dauer einzelner Trainingseinheiten bewerten. Für eine realistische Einordnung der Trainingsökonomie müssen sowohl die empfohlene Trainingshäufigkeit als auch der organisatorische Zeitaufwand berücksichtigt werden, der mit der Durchführung des Trainings verbunden ist. Dazu zählen insbesondere wiederholte An- und Abfahrten zum Trainingsort.

Klassisches Krafttraining, funktionelle Trainingsformen sowie hochintensive Konzepte wie HIT werden in der Regel mehrmals pro Woche durchgeführt. Auch wenn einzelne Einheiten zeitlich moderat ausfallen können, ergibt sich durch die höhere Trainingsfrequenz ein entsprechend größerer wöchentlicher Zeitaufwand. Zusätzlich summiert sich der organisatorische Aufwand durch mehrfache Anfahrten, Umkleidezeiten und gegebenenfalls Wartezeiten im Trainingsbetrieb, was die tatsächliche zeitliche Belastung im Alltag weiter erhöht.

Technologiegestützte Trainingsformen unterscheiden sich in diesem Punkt deutlich. Ganzkörper-EMS ist typischerweise mit kurzen Trainingseinheiten von etwa 20 Minuten verbunden und wird bewusst mit einer niedrigen Trainingsfrequenz eingesetzt. Internationale Empfehlungen sehen in der Regel eine Einheit pro Woche vor, um eine ausreichende Regeneration der intensiv beanspruchten Muskulatur sicherzustellen. Dadurch reduziert sich nicht nur die reine Trainingszeit, sondern auch der organisatorische Aufwand durch weniger notwendige Anfahrten, was die wahrgenommene Zeitökonomie zusätzlich beeinflusst.

Auch elektronische Trainingszirkel ermöglichen kurze, strukturierte Trainingseinheiten, werden jedoch häufig zwei- bis mehrmals pro Woche genutzt. Entsprechend steigt trotz automatisierter Abläufe der wöchentliche Gesamtzeitaufwand, insbesondere durch die höhere Anzahl an Trainingsbesuchen. Die Ganzkörpervibration wird ebenfalls meist mit höherer Frequenz durchgeführt, bei insgesamt moderater Einzelbelastung und entsprechend geringerer organisatorischer Komplexität pro Einheit.

Aus trainingswissenschaftlicher Perspektive zeigt sich somit, dass Zeitökonomie nicht ausschließlich durch kurze Trainingseinheiten definiert ist, sondern sich aus dem Zusammenspiel von Trainingsdauer, Trainingshäufigkeit und organisatorischem Aufwand ergibt. Insbesondere bei EMS resultiert die hohe Trainingsökonomie aus der Kombination von kurzer Einzeldauer, niedriger wöchentlicher Frequenz und reduzierter Anzahl notwendiger Trainingstermine, während andere Trainingsmethoden ihre Effekte primär über eine höhere Trainingshäufigkeit erzielen.

  • Belastungs- und Reizsteuerung

Ein zentrales Unterscheidungsmerkmal zwischen Trainingsmethoden liegt in der Art und Weise, wie der Trainingsreiz gesetzt und gesteuert wird. Beim klassischen Krafttraining erfolgt die Belastungssteuerung primär über mechanische Widerstände und willkürliche Muskelkontraktionen. Intensität, Volumen und Progression lassen sich dabei sehr differenziert an individuelle Zielsetzungen anpassen, was eine hohe trainingsmethodische Präzision ermöglicht.

Hochintensive Trainingsformen wie HIT setzen auf maximale oder nahezu maximale Belastungsintensitäten bei reduziertem Volumen. Dies erlaubt ausgeprägte neuromuskuläre Reize, geht jedoch mit hohen Anforderungen an Trainingsplanung, Technik und Regeneration einher. Funktionelle Trainingsformen kombinieren Kraft-, Koordinations- und teilweise metabolische Reize, wodurch die gezielte Steuerung einzelner Trainingsparameter eingeschränkt sein kann.

Moderne elektronisch gesteuerte Kraftzirkel, wie sie insbesondere im Fitness- und Gesundheitssport verbreitet sind, stellen eine Weiterentwicklung klassischer Zirkelkonzepte dar. Sie ermöglichen eine standardisierte und individuell einstellbare Belastungssteuerung, bei der sowohl konzentrische als auch – teilweise gezielt erhöhte – exzentrische Muskelbelastungen realisiert werden können. Dadurch lassen sich reproduzierbare Trainingsreize setzen, wenngleich die Flexibilität in der freien Belastungsvariation im Vergleich zum klassischen Krafttraining begrenzt bleibt.

Bei der Ganzkörper-Elektromyostimulation (WB-EMS) wird der Trainingsreiz zusätzlich über extern gesteuerte elektrische Impulse erzeugt. Die Intensität kann individuell für einzelne Muskelgruppen angepasst werden, wodurch eine hohe neuromuskuläre Beanspruchung bei vergleichsweise geringem Bewegungsumfang möglich ist. Die Ganzkörpervibration setzt hingegen auf mechanische Schwingungen, deren Intensität über Frequenz und Amplitude reguliert wird, wobei die Reizsteuerung insgesamt weniger differenziert ausfällt als bei Krafttraining oder EMS.

  • Mechanische Belastung und Gelenkbeanspruchung

Die mechanische Belastung des passiven Bewegungsapparates stellt ein zentrales Vergleichskriterium zwischen Trainingsmethoden dar. Beim klassischen Krafttraining, insbesondere bei der Verwendung freier Gewichte oder hoher externer Lasten, wirken relevante Kräfte auf Gelenke, Sehnen und Bänder. Bei sachgerechter Technik, progressiver Belastungssteigerung und ausreichender Regeneration können diese mechanischen Reize positive strukturelle Anpassungen fördern, etwa im Bereich der Sehnen- und Knochengesundheit. Gleichzeitig steigt bei unsachgemäßer Ausführung oder unangepasster Belastung das Risiko für Überlastungserscheinungen.

Funktionelle Trainingsformen und hochintensive Konzepte weisen ebenfalls eine relevante mechanische Beanspruchung auf. Komplexe Mehrgelenksübungen, hohe Wiederholungszahlen und dynamische Belastungen können insbesondere bei ermüdungsbedingten Technikabweichungen zu erhöhten Belastungen des passiven Bewegungsapparates führen. Auch moderne elektronische Kraftzirkel erzeugen – trotz geführter Bewegungen – mechanische Belastungen, insbesondere durch gezielt eingesetzte konzentrische und erhöhte exzentrische Widerstände, wenngleich diese in der Regel standardisiert und gut reproduzierbar sind.

Technologiegestützte Trainingsformen wie Ganzkörper-EMS und Ganzkörpervibration zeichnen sich demgegenüber durch eine vergleichsweise geringe externe mechanische Belastung aus, da keine oder nur geringe Zusatzlasten bewegt werden. Die Trainingsbeanspruchung resultiert primär aus der neuromuskulären Aktivierung und weniger aus mechanischen Hebelwirkungen. Dies macht diese Methoden insbesondere für Zielgruppen mit orthopädischen Einschränkungen oder reduzierter Belastbarkeit grundsätzlich interessant, setzt jedoch eine professionelle Anwendung und konservative Belastungssteuerung voraus, um unerwünschte Überlastungsreaktionen zu vermeiden.

  • Individualisierbarkeit und Betreuungserfordernis

Die Möglichkeit, Trainingsreize individuell anzupassen, unterscheidet sich deutlich zwischen den verschiedenen Trainingsmethoden. Klassisches Krafttraining erlaubt eine sehr feine Individualisierung hinsichtlich Intensität, Volumen, Bewegungsausführung und Progression. Diese hohe Flexibilität geht jedoch mit einem erhöhten Anspruch an technisches Verständnis, Trainingsplanung und regelmäßige Anpassung der Parameter einher.

Funktionelle Trainingsformen und Zirkelkonzepte sind häufig stärker standardisiert. Dies kann die Durchführung erleichtern und den Einstieg vereinfachen, begrenzt jedoch die individuelle Feinsteuerung einzelner Trainingsreize. Elektronisch gesteuerte Kraftzirkel stellen hier eine Zwischenform dar: Sie ermöglichen eine individuelle Einstellung von Widerständen und teilweise differenzierte konzentrische und exzentrische Belastungen, bleiben jedoch in ihrer Bewegungs- und Belastungsvariation stärker vorgegeben als klassisches Krafttraining.

Bei der Ganzkörper-Elektromyostimulation ist die Individualisierbarkeit grundsätzlich hoch, da die Impulsintensitäten für einzelne Muskelgruppen separat reguliert werden können. Gleichzeitig ist der Betreuungsbedarf besonders ausgeprägt, da eine fachgerechte Anamnese, Einweisung, kontinuierliche Überwachung und Anpassung der Trainingsparameter zwingend erforderlich sind. Auch bei der Ganzkörpervibration ist eine sachgerechte Betreuung notwendig, wenngleich die Steuerung der Trainingsreize weniger komplex ausfällt als bei EMS.

  • Regeneration und Belastungsverträglichkeit

Regeneration stellt bei allen Trainingsformen einen zentralen Bestandteil der Trainingssteuerung dar, unterscheidet sich jedoch deutlich in Umfang und Notwendigkeit. Klassisches Krafttraining mit hohen Lasten sowie hochintensive Trainingsmethoden erzeugen ausgeprägte mechanische und neuromuskuläre Belastungen, die entsprechende Regenerationszeiten zwischen den Trainingseinheiten erfordern. Auch funktionelle Trainingsformen können – insbesondere bei hoher Intensität und hohem Volumen – eine erhebliche metabolische und neuromuskuläre Beanspruchung verursachen.

Elektronische Kraftzirkel werden in der Praxis häufig mit moderater Intensität und höherer Trainingsfrequenz eingesetzt, wodurch sich eine gute Belastungsverträglichkeit bei gleichzeitig strukturierter Regeneration ergibt. Dennoch können insbesondere erhöhte exzentrische Belastungen zu verzögerten muskulären Ermüdungserscheinungen führen, die in der Trainingsplanung berücksichtigt werden müssen.

Bei der Ganzkörper-EMS wird aufgrund der intensiven simultanen neuromuskulären Aktivierung eine konservative Trainingsfrequenz empfohlen, um Überlastungsreaktionen zu vermeiden und eine ausreichende Regeneration sicherzustellen. Internationale Empfehlungen sehen in der Regel größere Abstände zwischen den Einheiten vor. Die Ganzkörpervibration weist im Vergleich dazu meist eine geringere neuromuskuläre Beanspruchung auf, was kürzere Regenerationszeiten erlaubt, jedoch in der Regel auch mit moderateren Trainingseffekten verbunden ist.

Für wen eignet sich welche Trainingsform? Eine zielgruppenbezogene Einordnung

Die Auswahl einer geeigneten Trainingsmethode hängt weniger von der Trainingsform selbst als vielmehr von den individuellen Voraussetzungen, Zielsetzungen und Rahmenbedingungen der Trainierenden ab. Zeitbudget, Trainingsmotivation, körperliche Belastbarkeit, Vorerfahrungen sowie der Bedarf an Betreuung spielen dabei eine zentrale Rolle. Auf Basis der zuvor dargestellten Vergleichskriterien lassen sich unterschiedliche Trainingsmethoden spezifischen Zielgruppen zuordnen.

  • Gesundheits- und fitnessorientierte Erwachsene

Für gesundheits- und fitnessorientierte Erwachsene stehen häufig die Verbesserung der allgemeinen körperlichen Leistungsfähigkeit, der Erhalt von Muskelkraft sowie eine langfristige Trainingsadhärenz im Vordergrund. Klassisches Krafttraining, funktionelle Trainingsformen und elektronische Kraftzirkel bieten hierfür bewährte Ansätze, insbesondere wenn sie moderat dosiert und regelmäßig durchgeführt werden. Elektronische Zirkel ermöglichen dabei durch standardisierte Bewegungsabläufe und reproduzierbare Belastungen einen vergleichsweise niedrigschwelligen Einstieg.

Untersuchungen aus dem Umfeld der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement (DHfPG) zeigen, dass insbesondere zeitökonomische, strukturierte und betreuungsintensive Trainingsangebote in fitnessorientierten Zielgruppen eine hohe Akzeptanz aufweisen. Vor diesem Hintergrund kann Ganzkörper-EMS – abhängig von Trainingshistorie, Motivation und zeitlichen Ressourcen – sowohl als primäre Trainingsform als auch in Kombination mit anderen Trainingsmethoden eingesetzt werden. Entscheidend ist dabei eine realistische Zieldefinition sowie die fachgerechte Durchführung unter qualifizierter Betreuung.

  • Beruflich stark eingebundene Personen mit begrenztem Zeitbudget

Personen mit hohem beruflichem oder familiärem Zeitaufwand zählen zu den Zielgruppen, bei denen Trainingsabbrüche besonders häufig auftreten. Für diese Gruppe ist nicht allein die Dauer einzelner Trainingseinheiten relevant, sondern die gesamte zeitliche Belastung pro Woche, einschließlich organisatorischer Faktoren wie Anfahrtszeiten.

Für viele dieser Personen kann Ganzkörper-EMS eine eigenständige Trainingslösung darstellen. Die Kombination aus kurzen Trainingseinheiten, niedriger Trainingsfrequenz und reduziertem organisatorischem Aufwand ermöglicht regelmäßiges Training auch bei begrenzten zeitlichen Ressourcen. Elektronische Kraftzirkel bieten ebenfalls strukturierte und zeitsparende Trainingsabläufe, erfordern jedoch in der Regel eine höhere Trainingsfrequenz. Klassisches Krafttraining und funktionelle Trainingsformen können bei dieser Zielgruppe wirksam sein, setzen jedoch eine höhere zeitliche Kontinuität voraus.

  • Trainingsunerfahrene oder wiedereinsteigende Personen

Für trainingsunerfahrene oder wiedereinsteigende Personen ist ein kontrollierter Einstieg mit klarer Betreuung und überschaubaren Belastungen entscheidend. Elektronische Kraftzirkel und betreute EMS-Angebote bieten hierfür strukturierte Rahmenbedingungen, die eine schrittweise Anpassung an körperliche Belastungen ermöglichen. Standardisierte Bewegungsabläufe und engmaschige Betreuung können die anfängliche Hemmschwelle senken und die Trainingssicherheit erhöhen.

Bei dieser Zielgruppe ist eine konservative Belastungssteuerung unabhängig von der Trainingsform besonders wichtig. Hochintensive Trainingskonzepte oder komplexe funktionelle Trainingsformen eignen sich in der Regel erst nach einer grundlegenden Anpassungsphase und bei entsprechender Betreuung.

  • Personen mit geringer Trainingsmotivation oder fehlender Trainingsstruktur

Eine weitere relevante Zielgruppe sind Personen, die sich von klassischen Trainingsangeboten nicht angesprochen fühlen oder diese langfristig nicht nutzen. Häufige Gründe sind fehlende Motivation, Unsicherheit im Trainingsablauf, mangelnde Orientierung im Trainingsumfeld oder eine als unzureichend empfundene Betreuung. Diese Faktoren stellen in der Praxis zentrale Barrieren für eine nachhaltige Trainingsadhärenz dar.

Klassisches Krafttraining und offene Trainingsflächen setzen ein hohes Maß an Eigenmotivation, Selbststeuerung und Trainingswissen voraus. Für Personen, die diese Voraussetzungen nicht oder nur eingeschränkt mitbringen, kann dies zu Überforderung, Unsicherheit und letztlich zu Trainingsabbrüchen führen. Auch funktionelle Trainingsformen oder hochintensive Konzepte sind für diese Zielgruppe häufig wenig attraktiv, da sie als komplex, leistungsorientiert oder wenig kontrollierbar wahrgenommen werden.

Strukturierte und betreuungsintensive Trainingsformate können hier einen entscheidenden Beitrag leisten. Elektronische Kraftzirkel bieten durch vorgegebene Abläufe und standardisierte Belastungen Orientierung, ersetzen jedoch nicht in allen Fällen die persönliche Betreuung. Ganzkörper-EMS spricht diese Zielgruppe insbesondere durch die Kombination aus fester Terminstruktur, kontinuierlicher persönlicher Betreuung und klar begrenzter Trainingsdauer an. Die enge Betreuung, die reduzierte Komplexität des Trainingsablaufs und die klare externe Steuerung können motivationsfördernd wirken und den Einstieg in regelmäßiges Training erleichtern.

Aus trainingswissenschaftlicher Sicht ist dabei weniger der spezifische Trainingsreiz entscheidend als vielmehr die langfristige Trainingsadhärenz. Für Personen mit geringer Trainingsmotivation oder negativen Vorerfahrungen kann EMS – abhängig von individueller Ausgangslage – eine primäre Trainingsform darstellen, sofern sie fachgerecht angewendet und realistisch in ein gesundheitsorientiertes Gesamtkonzept eingebettet wird.

  • Personen mit orthopädischen Einschränkungen oder reduzierter Belastbarkeit

Bei Personen mit orthopädischen Beschwerden oder eingeschränkter Belastbarkeit steht die Reduktion externer mechanischer Belastungen im Vordergrund. Technologiegestützte Trainingsformen wie Ganzkörper-EMS und Ganzkörpervibration können hier grundsätzlich Vorteile bieten, da sie ohne hohe Zusatzlasten auskommen und die Beanspruchung des passiven Bewegungsapparates begrenzen.

Auch moderat eingesetzte elektronische Kraftzirkel können in diesem Kontext sinnvoll sein, insbesondere wenn Bewegungsumfänge und Belastungen individuell angepasst werden. Unabhängig von der gewählten Trainingsform ist jedoch eine professionelle Anamnese, qualifizierte Betreuung und gegebenenfalls ärztliche Abklärung Voraussetzung für einen sicheren Trainingseinsatz. Spezifische medizinische Fragestellungen werden in gesonderten wissenschaftlichen Beiträgen vertieft behandelt.

  • Sportlich aktive und leistungsorientierte Trainierende

Sportlich aktive Personen mit leistungsorientierten Zielsetzungen profitieren in der Regel von klassischem Krafttraining, funktionellen Trainingsformen und hochintensiven Trainingskonzepten, da diese eine gezielte Entwicklung spezifischer Leistungsparameter ermöglichen. In dieser Zielgruppe wird Ganzkörper-EMS überwiegend ergänzend eingesetzt, etwa zur zusätzlichen neuromuskulären Aktivierung oder als variierender Trainingsreiz innerhalb komplexer Trainingsprogramme.

Eine vertiefte Betrachtung des Einsatzes von EMS im Leistungs- und Spitzensport erfolgt in einem separaten wissenschaftlichen Beitrag, der die besonderen Anforderungen dieser Zielgruppe detailliert einordnet.

Fazit

Der Vergleich moderner Trainingsmethoden zeigt, dass sich klassische Krafttrainingsformen, hochintensive und funktionelle Konzepte sowie technologiegestützte Verfahren wie Ganzkörper-EMS oder Ganzkörpervibration nicht pauschal bewerten lassen. Die unterschiedlichen Ansätze basieren auf jeweils eigenen Wirkmechanismen, Belastungsstrukturen und Steuerungslogiken, die unterschiedliche Anpassungsprozesse adressieren.

Aus trainingswissenschaftlicher Perspektive wird deutlich, dass die Eignung einer Trainingsmethode weniger von ihrer grundsätzlichen Wirksamkeit als vielmehr von den individuellen Voraussetzungen der Trainierenden abhängt. Zeitliche Ressourcen, Trainingshistorie, körperliche Belastbarkeit, Motivation sowie der Bedarf an Betreuung beeinflussen maßgeblich, welche Trainingsform sinnvoll und nachhaltig eingesetzt werden kann. Während klassische Krafttrainingsmethoden eine hohe Flexibilität und Spezifität bieten, zeichnen sich strukturierte und technologiegestützte Ansätze durch klar definierte Abläufe und eine hohe Reproduzierbarkeit der Trainingsreize aus.

Ganzkörper-EMS nimmt innerhalb dieses Spektrums eine eigenständige Rolle ein. Je nach Zielgruppe kann sie sowohl als primäre Trainingsform als auch ergänzend zu etablierten Trainingsmethoden eingesetzt werden. Entscheidend ist dabei stets eine fachgerechte Anwendung, eine realistische Zieldefinition und die Einbettung in ein individuell angepasstes Trainings- oder Bewegungskonzept. Eine pauschale Bewertung einzelner Trainingsmethoden wird der Komplexität moderner Trainingspraxis daher nicht gerecht.

Quellen & wissenschaftliche Grundlagen

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