Bluthochdruck und EMS-Training – Ist das möglich?

Rund 20 bis 30 Millionen Erwachsene in Deutschland leiden an Bluthochdruck (Hypertonie) – das ist fast jeder Dritte! Das Gefährliche daran: Zu hohen Blutdruck spürt man nicht, denn er macht lange Zeit keine Beschwerden. Deshalb bleibt er oft viel zu lange unentdeckt, was schlimme Folgeschäden wie Schlaganfälle, Herzerkrankungen, Gefäßerkrankungen oder Nierenversagen hervorrufen kann, da Bluthochdruck auf Dauer Herz und Gefäße überlastet. Dabei ist zu hoher Blutdruck gut behandelbar. Der Hälfte aller Schlaganfälle ließe sich durch einen gut eingestellten Blutdruck vorbeugen, doch jeder fünfte Betroffene weiß gar nicht, dass sein Blutdruck zu hoch ist!

Neben einer gesunden, salzarmen und ausgewogenen Ernährung, einem normalen Gewicht sowie dem Verzicht auf Tabak und Alkohol ist auch regelmäßige Bewegung wichtig, um eine Erhöhung des Blutdrucks zu vermeiden bzw. zu bekämpfen. Du fragst dich, ob du mit zu hohem Blutdruck auch EMS machen kannst? Wir wollen euch darüber aufklären, ob ihr mit Bluthochdruck an einem EMS-Training teilnehmen könnt bzw. was ihr beachten müsst, wenn ihr davon betroffen seid!

EMS-Training und hoher Blutdruck


Bewegung ist wichtig bei Bluthochdruck!

Kurz vorweg: Nach der aktuellen Leitlinie ist der Blutdruck eines Erwachsenen zu hoch, wenn wiederholt Blutdruckwerte von 140/90 mmHg* und mehr von einem Arzt zu mindestens zwei verschiedenen Zeitpunkten gemessen werden (sog. „Praxismessung”). Es handelt sich auch um Bluthochdruck, wenn nur einer der beiden Werte erhöht ist. Wenn du zu Hause deinen Blutdruck misst, gelten Werte über 135/85 mmHg als zu hoch.

Die Erkrankung lässt sich nicht nur mit Medikamenten behandeln, sondern auch mit Sport. Ausreichend Bewegung kann hohen Blutdruck nicht nur von vornherein verhindern, sie kann auch dabei helfen, erhöhte Werte zu senken.

Gut für das Herz-Kreislauf-System und damit für die Vorbeugung von zu hohem Blutdruck ist Ausdauertraining wie Joggen, Nordic Walking, Wandern, Skilanglauf, Radfahren und Schwimmen. Aber auch ein moderates Krafttraining kann positive Auswirkungen haben, denn durch eine größere Muskelmasse wird der Stoffwechsel verbessert und das kann die Insulinresistenz abschwächen, mit der viele Patienten mit zu hohem Blutdruck und Diabetes-Vorstufen kämpfen.

Wichtig: Mit Krafttraining sollte es bei Bluthochdruck auf keinen Fall übertrieben werden. Bodybuilding im Fitnessstudio und das Stemmen schwerer Gewichte sind tabu. Auf keinen Fall darfst du dich überfordern und überlasten! Kommt es zu einer intensiven sportlichen Belastung, steigt der Blutdruck nämlich an. Wenn er also schon vorher über den Normwerten liegt, kann es passieren, dass er während des Trainings noch weiter unkontrolliert ansteigt.

Es wird empfohlen, sich vor dem Training sportmedizinisch untersuchen zu lassen. Besprich mit deinem Arzt, wie intensiv die Belastung sein darf, und trainiere am besten unter fachkundiger Anleitung. Wichtig: Personen mit sehr hohen Blutdruckwerten dürfen unter Umständen keinen Sport treiben! Unbedingt vorher abklären!


EMS bei zu hohem Blutdruck?

Grundsätzlich spricht nach aktuellen Erkenntnissen nichts gegen ein EMS-Training bei behandeltem Bluthochdruck – zu hoher Blutdruck, der dagegen unbehandelt ist, ist eine absolute Kontraindikation! Genauso wie Bluthochdruck im höchsten Stadium. Hier darf kein Sport und damit auch kein EMS gemacht werden!

Behandelter zu hoher Blutdruck jedoch schließt Betroffene nicht vom EMS-Training aus. Die Herzfrequenz und der Blutdruck steigen beim Training mit elektrischen Impulsen deutlich weniger an als bei einem herkömmlichen Krafttraining. Bei Letzterem werden nämlich Blutdruckspitzen erreicht, bei EMS nicht – das fand eine Studie der Universität Bayreuth heraus. Über die gesamte Trainingszeit blieben Puls und Laktatwerte hier konstant und Blutdruckspitzen wurden vermieden.

Das Training bzw. die Impulsdauer und die Pausen müssen aber auf jeden Fall auf die Situation des Patienten/Trainierenden abgestimmt werden. Beim EMS-Training kontrahieren alle großen Muskelgruppen gleichzeitig, was durchaus auch höhere Blutdruckanstiege auslösen kann – das gilt es jedoch zu vermeiden. Deshalb wird empfohlen, mit kürzeren Impulsen und etwas längeren Pausen zu arbeiten, wie es zum Beispiel bei den Basis-Programmen der Fall ist, sowie mit einem ausdauerorientierten Stoffwechselprogramm mit niedrigen Frequenzen, um einen starken Anstieg des Blutdrucks zu verhindern. Auch die Intensität sollte niedriger sein. Geraten wird außerdem zu einer dynamischen Bewegungsausführung und wenig statischen Anteilen.

Untersuchungen an Herzpatienten belegen deutliche Verbesserungen hinsichtlich einer Blutdrucksenkung nach sechs Monaten EMS-Training. Zudem konnten weitere Risikofaktoren gesenkt werden, so kam es zu einer Regulierung des Blutzuckerspiegels, einer Erhöhung des Anteils fettfreier Masse sowie einer Steigerung der maximalen Sauerstoffaufnahme.

Auch beim EMS-Training für Patienten mit zu hohem Blutdruck gilt: In manchen Fällen braucht es gewisse Vorsichtsmaßnahmen, etwa bei Medikamenteneinnahme. Sprich dich vor dem Training unbedingt mit deinem Arzt ab, ob du EMS bedenkenlos machen kannst.


Wenn dein Arzt dir das Go für EMS gibt, kannst du dich bei uns gleich nach einem
Studio in deiner Nähe umsehen!

 


* mmHg = Torr oder Millimeter-Quecksilbersäule; Maßeinheit des Drucks

Quellen:

Deutsche Hochdruckliga e.V. DHL®
Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention

https://www.hochdruckliga.de/
http://www.ich-bleib-mir-treu.de/start.html
http://www.herzstiftung.de/


17.05.2017

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